Synthese von Benzylchlorid [100-44-7]

Benzylchlorid durch Chlorierung von Toluol [100-44-7-A]            C7H7Cl

Durchführung: Auf einem 500-ml-Dreihalskolben mit einem Thermometer, dessen unteres Ende 2 cm vom Boden des Gefäßes entfernt ist, wird ein Einleitrohr eingeführt, das auf den Boden des Kolbens reicht. Außerdem wird ein Kühler mit doppeltem Mantel angebracht. Für die ganze Apparatur werden nur »alte« Gummistopfen verwendet, da diese weniger leicht angegriffen werden. Ideal wäre es, eine Schliffapparatur zu verwenden, aber auch mit Gummistopfen lassen sich zufriedenstellende Ergebnisse errzielen. Aufgrund der Giftigkeit von Chlorgas sollte die Apparatur unter einem Abzug aufgebaut werden. Das Ende des Kühlers wird über ein mit Calciumchlorid oder Baumwolle gefülltes Rohr mit zwei Waschflaschen verbunden, die 10%-ige Natriumhydroxidlösung enthalten. Die langen Einleitrohre in den Waschflaschen sollten gerade bis unter die Oberfläche der alkalischen Lösung reichen, um einen Rücklauf der Flüssigkeit zu verhindern. 100 g (115.5 ml) trockenes Toluol werden zusammen mit einigen Scherben porösen Porzellans in den Kolben gegeben. Das Toluol wird zum leichten Sieden gebracht und Chlor wird aus einer Flasche eingeleitet bis das Thermometer 157-158 C anzeigt, wobei zwischen Kolben und Flasche eine leere Gaswaschflasche angebracht wird. Alternativ dazu kann auch das Gewicht von Kolben und Toluol bestimmt werden. Bei einer Zunahme um 37 g ist die Reaktion beendet und der Chlorstrom wird abgestellt. Die Reaktionsdauer kann erheblich verkürzt werden, wenn die Mischung hellem Sonnenlicht oder dem Licht einer kleinen Quecksilberdampflampe ausgesetzt wird. Alternativ dazu kann auch eine 200-Watt-Birne in mäßigem Abstand zum Kolben platziert werden. Die Mischung wird dann in einen Claisenkolben gegeben und bei Normaldruck destilliert, bis die Temperatur 135-140 C erreicht. Der Rückstand wird bei Unterdruck destilliert, wobei nur der Teil verwendet wird, der bei 16 mbar zwischen 64 und 69 C übergeht. Letzterer siedet bei erneuter Destillation hauptsächlich bei 63-65 C / 16 mbar. Die Ausbeute beträgt 100 g.

Siehe auch Durchführung der radikalischen Chlorierung von Toluol im LambdaForum.

Übersetzt aus: Vogel, Arthur I. - A Text-Book of Practical Organic Chemistry, 3. Auflage, Longman, London 1974
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Letzte Aktualisierung: 30/10/11

Benzylchlorid aus Toluol und Sulfurylchlorid [100-44-7-B]            C7H7Cl

Durchführung: In einen 500-ml-Rundkolben, auf den ein gut funktionierender Rückflusskühler aufgesetzt wird, gibt man 92 g (106 ml) Toluol, 68 g (41 ml) frisch destilliertes Sulfurylchlorid und 1 g Benzoylperoxid. Beim Erhitzen unter leichtem Rückfluss findet eine heftige Reaktion statt, die nach 30 min abgeschlossen ist. Das Benzylchlorid wird wie in Synthese 100-44-7-A isoliert. Die Ausbeute beträgt 50 g.

Übersetzt aus: Vogel, Arthur I. - A Text-Book of Practical Organic Chemistry, 3. Auflage, Longman, London 1974
Delivered by: Rhadon
Letzte Aktualisierung: 08/11/04

Benzylchlorid aus Benzylalkohol und Salzsäure [100-44-7-C]            C7H7Cl

Durchführung: Man mischt Benzylalkohol (z.B. 1 mol ~ 103 ml) mit mindestens dem Fünffachen der theoretischen Menge an möglichst starker min. 37%-iger Salzsäure (z.B. 5 mol 37% ~ 414 ml). Der Benzylalkohol löst sich und ergibt eine klare Lösung. Diese erwärmt man langsam unter Rühren im heißen Wasserbad. Man muss die Mischung auf etwa 60 C erwärmen; die Reaktion an sich ist nochmal exotherm. Die Lösung wird schlagartig völlig trüb und das Benzylchlorid beginnt sich abzuscheiden. Ob in der oberen oder unteren Phase, hängt von der Dichte der restlichen Salzsäure ab; meistens schwimmt das Benzylchlorid oben. Man erhitzt die Lösung bis zum Sieden bei starkem Rühren noch einige Minuten unter Rückfluss, lässt erkalten und trennt die organische Phase in einem Scheidetrichter ab. Die organische Phase wird im Scheidetrichter mit Wasser gewaschen (jetzt ist das Benzylchlorid unten), das abgetrennte Benzylchlorid mit Kaliumcarbonat getrocknet, abfiltriert/abgenutscht und anschließend destilliert. Die Fraktion mit dem Siedepunkt des Benzylchlorids wird aufgefangen (63-65 C bei 12 mmHg; 175-185 C bei Atmosphärendruck), da das undestillierte Produkt noch etwas Rest-Benzylalkohol enthält. Die Ausbeute beträgt circa 70%; nimmt man einen größeren Überschuss und/oder stärkere Salzsäure lässt sich die Ausbeute noch verbessern.

Quelle: basierend auf einem Beitrag im LambdaForum
Literatur: Norris, American Chemical Journal, 38, 1907, p. 627-642 Cannizzaro, Justus Liebigs Annalen der Chemie, 88, 1853, p. 130
Ursprünglicher Text von: Stefan
Letzte Aktualisierung: 21/01/09

Andere Bezeichnungen: Chlormethylbenzol; α-Chlortoluol